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EMF Directive

Unter dem Kurzbegriff EMF Directive oder EMF-Richtlinie versteht man die europäische Arbeitsschutz-Richtlinie 2013/35 mit dem offiziellen Titel „RICHTLINIE 2013/35/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 26. Juni 2013 über Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch physikalische Einwirkungen (elektromagnetische Felder) (20. Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG) und zur Aufhebung der Richtlinie 2004/40/EG“.

Laut Richtlinie ist für alle Arbeitsplätze in der EU eine Risikobewertung z.B. durch geeignete Messungen durchzuführen und das Ergebnis zu dokumentieren. Der Arbeitgeber trägt hierfür die Verantwortung und muss ggf. Maßnahmen zur Vermeidung oder Verminderung der Risiken treffen.

Die Richtlinie setzt Grenzen für die Exposition durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder mit Frequenzen von 0 Hz bis 300 GHz. Die Grenzwerte beruhen im Wesentlichen auf den Empfehlungen von ICNIRP, der Internationalen Kommission für den Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung.

EMF Richtlinie 2013/35/EU im Überblick

Biophysikalische Wirkungen

Die Richtlinie unterscheidet zwischen zwei Arten von direkten biophysikalischen Wirkungen, die durch elektromagnetische Felder hervorgerufen werden:

  • Thermische Effekte wie Gewebeerwärmung durch Energieabsorption. Sie treten vorwiegend im Frequenzbereich von 100 kHz bis 300 GHz auf.
  • Stimulationen von Muskeln, Nerven und Sinnesorganen. Sie werden vorwiegend durch Felder im Frequenzbereich 0 Hz bis 10 MHz ausgelöst.

Die Richtlinie nennt weitere indirekte Effekte wie Funkenentladung, Kontaktströme, Störungen medizinischer Implantate wie Herzschrittmacher sowie die Projektilwirkungen ferromagnetischer Gegenstände in statischen Magnetfeldern.

Expositionsgrenzwerte und Auslöseschwellen

Expositionsgrenzwerte (Exposure Level Values, ELVs) beziehen sich auf die Feldwerte im menschlichen Körper. Die Richtlinie definiert

  • ELVs für sensorische Wirkung: Grenzen für vorübergehende Störung der Sinnesempfindung
  • ELVs für gesundheitliche Wirkung: Grenzen für gesundheitsschädliche thermische oder nicht-thermische Wirkung

Da die Feldwerte im menschlichen Körper nicht zu messen, sondern nur rechnerisch mit hohem Aufwand zu bestimmen sind, definiert die Richtlinie sog. Auslöseschwellen.

Auslöseschwellen (Action Levels, ALs) sind Feldwerte an der Arbeitsstelle, bis zu deren Höhe die Expositionsgrenzwerte als eingehalten gelten dürfen. Sie sind direkt messbar. Die Richtlinie unterscheidet

  • niedrige Auslöseschwellen (Low ALs) für sensorische Wirkungen
  • hohe Auslöseschwellen (High ALs) für gesundheitliche Wirkungen

Bereits bei Überschreitung der niedrigen ALs sind Schutz- oder Präventivmaßnahmen zu treffen.

Pflichten der Arbeitgeber

Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass die Grenzwerte für Arbeitnehmer nicht überschritten werden. Dazu müssen sie die Risiken bewerten und die Exposition ermitteln:

  • Basierend auf Emissionsangaben der Gerätehersteller
  • Durch Messung
  • Ggf. durch Berechnung

Die Bewertung ist durch fachkundige Dienste oder Personen durchzuführen, in angemessenen Zeitabständen zu wiederholen und in rückverfolgbarer Form zu dokumentieren.

Weiterhin verpflichtet die Richtlinie die Arbeitgeber, Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung der Risiken zu ergreifen, die Arbeitnehmer und/oder deren Vertreter darüber zu unterrichten und die Arbeitnehmer über Risiken und ihre Auswirkungen aufzuklären.

Ausnahmen

Grenzwerte für sensorische Wirkungen dürfen vorübergehend überschritten werden, wenn dies

  • praxis- und verfahrensbedingt gerechtfertigt ist
  • Grenzwerte für gesundheitliche Wirkungen eingehalten werden
  • die Risikobewertung diesbezüglich aktualisiert wird
  • die Arbeitnehmer über mögliche Symptome, Empfindungen und Wirkungen unterrichtet wurden

Dies gilt insbesondere für Forschung, Entwicklung und Anwendung des Magnetresonanz-Verfahrens (MRI) im medizinischen Bereich. In operativen militärischen Einrichtungen oder bei militärischen Aktivitäten können andere Schutzsysteme angewandt werden.

Die Richtlinie betont, dass sie nicht dazu gebraucht werden soll, um bereits strengere nationale Grenzwert-Bestimmungen „aufzuweichen“.

Historie

Die Vorgänger-Richtlinie 2004/40/EG trat am 29. April 2004 in Kraft. Die Umsetzungsfrist in nationales Recht, ursprünglich bis zum 30. April 2008, wurde zunächst bis zum 30. April 2012, dann bis zum 31. Oktober 2013 verlängert. Anlass waren Bedenken wegen schwierig zu praktizierenden Maßnahmen bei medizinischer Magnetresonanz-Tomographie (MRI) sowie bei bestimmten industriellen Verfahren.

Mit ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der EU ist die neue Richtlinie 2013/35/EU in Kraft und zugleich die Richtlinie 2004/40/EG aufgehoben. Bis Ende 2015 wird die EU-Kommission nicht verbindliche Leitfäden zur Durchführung der neuen Richtlinie herausgeben. Die Umsetzungsfrist in nationales Recht läuft bis 1. Juli 2016.